historie1Die Anfänge des St. Nikolaus-Stiftshospitals reichen bis in das späte Mittelalter zurück. Eine Urkunde vom 1. Januar 1250 berichtet, dass der Andernacher Schöffe Ernestus und seine Ehefrau Christina einen großen Teil ihres Vermögens dem wohl gerade im Bau befindlichen Andernacher Hospital als Stiftung übereigneten. In der so auf eine wirtschaftlich stabile Grundlage gestellten und schon bald durch die Erzbischöfe von Trier und Köln bestätigten caritativen Einrichtung wirkte eine geistliche Laienbruderschaft zum Wohle der Armen, Alten, Waisen, Gebrechlichen und Kranken. Das Hospital und die dazugehörige Kapelle wurden dem Heiligen Nikolaus, Beschützer und Helfer der Notleidenden, geweiht. Die kirchliche Aufsicht hatte die Abtei Rommersdorf.

In der Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Verwaltung des Hospitals zunehmend in die Hände des Rates der Stadt Andernach über, der fortan auch die Hospitalmeister, Provisoren und Almosenmeister wählte. Erhalten bleib jedoch der eigenständige Stiftungscharakter, welcher auch in der folgenden Zeit, trotz verschiedentlicher Versuche, die Stiftung aufzulösen, nicht verloren ging.

Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen am 22.10.1794 wurde das Hospital beschlagnahmt und diente während der Besatzungszeit als Lazarett und Magazin. Im Zuge der politischen Veränderungen durch den Reichsdeputationshauptschluss (1803) verlor es einen großen Teil seiner über Jahrhunderte erworbenen links- und rechtsrheinischen Besitzungen und geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Einen erfreulichen Zuwachs bildete daher die großherzige Stiftung des 1826 verstorbenen Freiherrn Friedrich von Mering, der dem Hospital den größten Teil seines ansehnlichen Vermögens vermacht hatte.

Hospital und Annuntiatenkloster Im Jahre 1834/35 kam es zu einem Vertrag über einen Gebäudetausch zwischen der damaligen Gemeinde Andernach und dem Hospital. Nach dem Umzug in das 1652 erbaute Annuntiatenkloster, von dem sich ein Teil auf dem heutigen Krankenhausgelände neben der 1736 - 1739 errichteten Kapelle erhalten hat, wurde das altehrwürdige Hospital an der Hochstraße 1841 zugunsten eines Schulneubaus abgerissen. In den klösterlichen Mauern konnte die längere Zeit unterbrochene Krankenversorgung mit zunächst 6 Betten wieder aufgenommen werden. Im Mai 1845 traten die ersten 3 Schwestern aus der Genossenschaft der barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus ihren Dienst an. Die zunehmende Ansiedlung von Industriebetrieben und der damit verbundene Anstieg der Andernacher Bevölkerung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ den Bedarf an Patientenbetten ansteigen. Dem wurde schließlich 1897 mit der Eröffnung eines Krankenhausneubaus mit 85 Betten, Operationssaal und Röntgenraum Rechnung getragen. Eine Erweiterung um 31 Betten erfolgte im Jahre 1930.

St. Nikolaus-Stiftshospital um 1950Im 2. Weltkrieg musste das Krankenhaus, wie bereits in den Jahren 1914-18, eine große Zahl verwundeter Soldaten aufnehmen. Nach schweren Beschädigungen durch einen Luftangriff am 27.12.1944 wurden die Patienten auf das bereits seit 1943 als Hilfskrankenhaus genutzte benachbarte Heimatmuseum und auf das daraufhin eingerichtete Ausweichkrankenhaus Burgbrohl verteilt. Der Wiederaufbau ein Jahr nach Kriegsende markierte den Beginn einer Reihe von baulichen Veränderungen in den nächsten Jahrzehnten. So erhielten die Patienten mit ansteckenden Krankheiten 1951 ein neuerbautes Isolierhaus. Ein Jahr später folgte ein dem Hauptgebäude angeschlossener Anbau mit 40 Zimmern, OP-Räumen, Apotheke und Labor. Für die ansteigende Zahl der Mitarbeiter wurden 1953 neue Personalunterkünfte gebaut. In den Jahren 1954/55 erhöhte das St. Nikolaus-Stiftshospital seine Kapazität auf 410 Betten, indem es den Haupt- und Mitteltrakt aufstocken ließ. In einem nächsten Schritt realisierte die Krankenhausverwaltung die notwendig gewordene Erweiterung der Röntgenabteilung und konnte bereits 1955 einen weiteren Neubau in Betrieb nehmen, der in den Jahren 1961/62 zu einem dreigeschossigen Gebäude mit weiteren Krankenzimmern aufgestockt wurde.Den Namen des Stiftungsgründers erhielt das 1964 eingeweihte Altenheim Haus "Ernestus". Mit der Errichtung eines neuen Personalwohnheims (1969 - 1974, Renovierung 1996/97) an der Hochstraße wurden für die seit 1957 angeschlossene Kranken- und Kinderkrankenpflegeschule großzügige Räumlichkeiten geschaffen. In zwei weiteren Anbauten, fertiggestellt in den Jahren 1975/76, ließen sich die neugeschaffene operative Intensivstation mit 6 Betten, die nuklearmedizinische Abteilung und die erweiterte Patientenaufnahme unterbringen. Als ein Brand (1977) den Innenraum der in den Jahren 1956/57 neugestalteten Hospitalkirche zerstörte, wurden im Zuge der Renovierungsarbeiten die überdeckten wertvollen Fresken restauriert. Sie gehören heute zu den schönsten Beispielen barocker Kunst im Rheinland.

St. Nikolaus-Stiftshospital Ein weiterer Schritt zum modernen, leistungsfähigen Krankenhaus vollzog sich mit der Gründung der St. Nikolaus-Stitftshospital GmbH und der Anerkennung als Akademisches Lehrkrankenhaus durch die Rheinische-Friedrich-Wilhelm Universität Bonn im Jahre 1981. Um dieses Ziel zu verwirklichen, entstand ab 1983 in den drei Bauabschnitten, die 1985, 1994 und 1998 fertiggestellt wurden, ein neu konzipierter und auf die Erfordernisse des nächsten Jahrhunderts ausgerichteter Krankenhauskomplex.Helfen hat Tradition in nun fast 750 Jahren St. Nikolaus-Stiftshospital, helfen zum Wohl der Kranken - so wie es der Stiftungsgründer Ernestus einst gewollt hat.